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Ein Corona-Patient erzählt


Hallo da draußen! Mein Name ist Johannes Oetz. Ich bin Sportredakteur der Westfälischen Nachrichten. Viele kennen mich auch als Fotograf bei Sportereignissen. Im Moment hüte ich krank das Bett, denn ich trage das Coronavirus in mir. Ich möchte mit meinem Blog den Krankheitsverlauf aus erster Hand dokumentieren. Ich möchte helfen aufzuklären, Mut zu machen und Tipps geben. Es wäre schön, wenn Sie mir folgen würden. Eines direkt vorab: Keine Panik! Und: Bleiben Sie in den eigenen Wänden.


03/30

Wir haben es geschafft. Heute Morgen hat das Gesundheitsamt angerufen. Nach einigen kurzen Fragen zu unserem Gesundheitszustand wurde unsere Quarantäne aufgehoben. Für uns gelten dennoch die gleichen Regelungen wie für alle, die die Krankheit noch nicht durchgemacht haben. Also keine Party mit zehn Gesundeten und so... Nach dem Telefonat bin ich sofort nach draußen und habe einen einstündigen Spaziergang gemacht. Herrlich! Dann habe ich den Fragebogen der Universitätsklinik beantwortet. Innerhalb der nächsten Tage will sich das UKM bei mir melden. Ein kurzes Fazit: Wir sind sehr froh, denn wir haben die Krankheit gut überstanden. Wir haben gesehen, dass es nicht den typischen Krankheitsverlauf gibt. Allein bei uns Dreien waren die Symptome höchst unterschiedlich. Wir hoffen nun natürlich, dass wir möglichst lange immun sind. Wissenschaftler gehen momentan, nach meinen vorliegenden Informationen, von mindestens einem Jahr aus. Einige sprechen auch von zwei bis drei Jahren. Mit meinem Blog wollte ich einen Einblick geben, wie diese Erkrankung verlaufen kann. Ich wollte auch Mut machen. Ich hoffe, dass mir das ein wenig gelungen ist. Ich wünsche allen Lesern beste Gesundheit. Passt auf euch auf.


03/30

Guten Morgen, Münster. Guten Morgen, Münsterland. Endet heute unsere Zeit in der Quarantäne? Wir fühlen uns gut. Jetzt warten wir nur noch auf den Anruf des Gesundheitsamtes. Im Gespräch soll geklärt werden, ob wir wieder vor die Tür dürfen. Heute Morgen hat sich auch schon das Universitätsklinikum per Mail bei mir gemeldet. Ich möchte Blut spenden. Damit wird Blutplasma hergestellt, welches die Therapie für schwer erkrankte Corona-Patienten unterstützen soll. Zuerst muss ich jedoch noch einen Fragebogen ausfüllen. Danach will sich das UKM wieder bei mir melden. Soooo. Jetzt heißt es erst einmal warten auf den ersehnten Anruf. Ich wünsche allen eine gute Woche und beste Gesundheit.


03/29

War das der letzte Quarantäne-Tag? Die Entscheidung liegt morgen beim Gesundheitsamt. Wenn es nach mir geht, darf ich wieder auf die Welt losgelassen werden. Ich habe keine Symptome mehr. Seit heute habe ich sogar das Gefühl, als ob ich wieder ein wenig schmecke. Das Salami-Brot, die Schokolade: da war doch was.... Ansonsten fühle ich mich wieder fit. Natürlich ist meine Kondition nicht die beste, aber nach zwei Wochen in den eigenen vier Wänden kann man auch nicht so viel erwarten. Also dann: Gute Nacht allerseits. Morgen wird es spannend. Und wie immer: Bleibt bitte gesund.


03/29

Wenn alles normal läuft, haben wir in wenigen Stunden den letzten Quarantäne-Tag hinter uns gebracht. Heute lese ich viel und habe lange mit zwei Neffen telefoniert, die in Berlin leben. Sie berichteten, dass auch die Berliner Innenstadt menschenleer ist. Sie kommen aber gut klar, da beide prima von zu Hause arbeiten können. Inzwischen mache ich schon Pläne für die kommende Woche, wobei ich natürlich erst noch das offizielle Okay des Gesundheitsamtes abwarten muss. Ich will kleine Wanderungen unternehmen und mit dem Fahrrad rausfahren. Um das Fahrrad zu nehmen, ist es zu kalt? Nein, ist es nicht. Gut einpacken und los geht’s. Wir fahren eigentlich immer mit dem Fahrrad, gegen schlechtes Wetter kann man sich anziehen. Ich muss oft mit dem Kopf schütteln, wenn ich die langen Autoschlangen sehe, die sich in Richtung Innenstadt quälen - besonders samstags. Leute, Leute. Muss das denn immer sein? Mir kann doch keiner erzählen, dass jeden Samstag das Auto für die Großeinkäufe gebraucht wird. Das geht auch mit Bus und Bahn - oder eben dem Fahrrad.


03/29

Guten Morgen, Münster. Guten Morgen, Münsterland. Oh, ich muss mich entschuldigen. Mein Abschlussbericht gestern Abend fehlte. Das lag unter anderem daran, dass ich lange mit einem Sportfunktionär aus dem Münsterland telefoniert habe. Er ist auch an Covid19 erkrankt und er befragte mich zu meinen Symptomen. „Ich lese zwar täglich deinen Blog, aber ich hätte da noch weitere Fragen.“ Nochmals an dieser Stelle: Ich bin kein Arzt und kann deshalb auch keine allgemein gültigen Tipps geben. Ich schreibe nur von meinem Verlauf der Krankheit. Immerhin konnte ich meinem Gesprächspartner hoffentlich vermitteln,dass er keine Schuldgefühle haben muss. Auch derjenige, der in diesen Tagen verantwortungsvoll mit der Situation umgeht, kann dann doch einen „Fehler“ machen. Wir alle konnten das richtige Verhalten vorher nicht üben. Keiner macht extra „Fehler“. Zu meiner Erkrankung und der meiner Liebsten: Wir fühlen uns wieder gesund. Wir hoffen nun, dass die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes das morgen ebenfalls so sieht. Wenn dem so ist, können wir morgen einen großen Spaziergang unternehmen. Darauf freue ich mich natürlich sehr. Noch ein Nachtrag zur gestrigen Saarbrücken-Episode. Ich habe ja gar nicht geschrieben, was ich im Saarland gemacht habe. Ich absolvierte meinen Zivildienst beim Malteser Hilfsdienst. Ich wurde im Krankentransport eingesetzt. Damals dauerte der Dienst 24 Monate. In dieser Zeit habe ich eine Menge für mein Leben gelernt. Ich kam in Kontakt zu Menschen, die ich normalerweise niemals getroffen hätte. Ich habe Haushalte gesehen, in denen man nicht leben möchte. Und ich habe Sanitäter, Krankenschwestern und Ärzte getroffen, die sich täglich um alle Menschen kümmern. Was sie leisten, weiß ich daher nicht erst seit Covid19. Gestern las ich von einer Krankenschwester, die zum momentan beliebten Klatschen für das Pflegepersonal befragt wurde. Ihre Antwort war sinngemäß: „Das brauche ich überhaupt nicht. Gebt mir lieber bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Schönen Sonntag allerseits!


03/28

Heute verbringe ich den ganzen Tag im Garten. Das Wetter ist herrlich. Vorher habe ich in einem Schrank gekramt. Dabei fand ich unter anderem ein Tagebuch. Es stammt aus den Jahren 1983 bis 1985. 1983 habe ich Abitur gemacht und bin anschließend aus dem Elternhaus ausgezogen. Ich ging nach Saarbrücken, wo meine damalige Freundin Sport studierte. Es war witzig, meine Einträge zu lesen. Zudem schrieb man damals ja noch Briefe, die habe ich in das Tagebuch geklebt. Eben fand ich einen Brief meines vor einigen Jahren verstorbenen Vaters. Er schrieb am 18. April 1984 seine Zeilen mit der Schreibmaschine. „Lieber Johannes! Einliegend erhältst Du Dein Sparbuch. Gehe mit Deinem Geld geizig um - nicht von momentanen Gelüsten leiten lassen. Die Devise heißt „Zuerst denken und dann handeln.“ Die spätere Einsicht kommt halt eben zu spät. Ich wünsche Dir gute Tage. Herzlichen Gruß Vater“ Mein Vater war ein Geschäftsmann und ein Mann mit Rückgrat. Ich vermisse ihn immer noch, genau wie meine verstorbene Mutter. Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit. Ihr auch?


03/28

Guten Morgen, Münster. Guten Morgen, Münsterland. Ich habe gut geschlafen. Uns geht es allesamt gut. Ich huste nur noch ganz selten, doch das habe ich vor Corona auch schon getan. Ohnehin vermischen sich jetzt meiner Meinung nach viele Corona-Symptome mit anderen Erkrankungen. Ich bin zwar kein Arzt, doch kann ich mir gut vorstellen, dass Allergiker in diesen Tagen auch oft denken: „Ist der Schnupfen und der Husten für mich normal oder doch auf Corona zurückzuführen?“ Ich bin kein Arzt, also fragt bitte die Profis. Ich habe heute Morgen eine Mail an das Universitätsklinikum geschrieben. Das UKM sucht ehemalige Corona-Patienten, die Blut spenden sollen.Sie wollen Hyperimmun-Seren gewinnen, um daraus Abwehrstoffe zu isolieren. Wenn das UKM mich gebrauchen kann, mache ich natürlich mit. Heute soll nochmals ein richtig schöner Tag werden. Bitte haltet euch an die Abstandsregeln! Ich werde gleich wieder meinen Garten aufsuchen. Natürlich nicht, ohne Sonnenschutz dabei zu haben. Einen schönen Tag euch allen!


03/27

Der Pfannkuchen war lecker, sagt mein Stiefsohn. Als ich zum Essen kam, bildete ich mir ein, den typischen Pfannkuchen-Duft wahrgenommen zu haben. Das war aber nur eine kurze Momentaufnahme. Geschmeckt habe ich natürlich nichts. Meine Frau übrigens auch nicht. Ansonsten geht es mir inzwischen wirklich gut. Ich huste nur noch ganz selten und fühle mich etwas matt. Das liegt aber, denke ich, an der mangelnden Bewegung. Heute Abend haben wir First Dates gesehen. Das schauen wir inzwischen regelmäßig. Natürlich echt Banane die Sendung - aber man kann so herrlich ablästern. Meistens kommentieren wir so wild durcheinander, dass wir die Dialoge gar nicht mitbekommen. Aber Hauptsache wir haben Spaß 🤣 Jetzt noch mal Nachrichten schauen und dann ab in die Federn. Bleibt alle gesund und schlaft schön.


03/27

Was für ein schöner, sonniger Tag. Heute war ich lange im Garten. So langsam werde ich braun und sehe schon aus, als ob ich drei Wochen am Meer gelegen hätte. Natürlich nur im Gesicht. Ich werde schnell braun. Das hat zur Folge, dass mich im Sommer häufig Leute ansprechen. „Ihren Job hätte ich auch gerne“, heißt es dann schon mal, wenn ich mit meiner Kamera am Spielfeldrand sitze oder mich bei einem Reitturnier rumtreibe. Komisch, im Dezember bei plus drei Grad, Ostwind und Dauerregen wollte noch nie jemand mit mir tauschen. Die Arbeit fehlt mir schon. Meine Kollegen fehlen mir. Zum Glück gibt es ja das Telefon. Eben sprach ich mit Wilfried Sprenger, Kollege aus der Sportredaktion Münster. Er hat von vielen Sportarten echt Ahnung, besonders im Volleyball kennt er sich gut aus. Im Jahr 2002 durfte ich ihn bei der Berichterstattung über die Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland unterstützen. Die deutschen Damen spielten damals in der Vorrunde in Münster. Angelina Grün & Co. hatten mit der Titelvergabe nichts zu tun. Weltmeister wurde Italien. Ich hatte das Glück, dass ich in der Vorrunde ein Interview mit dem italienischen Trainer Marco Bonitta führen konnte. Ein klasse Coach. Für mich als ehemaligen Volleyballer war das ein unvergessliches Erlebnis. So. Jetzt gibt es Pfannkuchen. Ich muss gehen, denn ich habe schon die Gelbe Karte gesehen.


03/27

Ich bin ein echtes Murmeltier geworden. Um 6.15 Uhr war ich schon mal wach. Ach, ne halbe Stunde habe ich doch noch. Als ich das nächste Mal auf den Wecker schaute, war es 9.30 Uhr. 9.30 Uhr? Normalerweise stehen wir um 6 Uhr auf. Gestern Abend habe ich zunächst gelesen (Auto-Zeitschrift mit dem Schwerpunkt-Thema E-Mobilität), um anschließend einen WDR-Dokumentarfilm zu schauen. Der Film „Männer allein zu Haus“ ist ein berührender Beitrag. Er handelt vom Leben dreier Männer, die alleine leben. Ihr Alltag wird sehr gut dargestellt. Man kann den Film noch in der Mediathek abrufen. Und nun zum Update heute Morgen: Bei mir ist alles okay, beim Junior eh. Meine Frau hatte gestern Abend ja ein wenig gerochen. So richtig durchschlagend war es aber noch nicht. Das Frühstück hat sie wieder nicht geschmeckt. Beim Kaffee will sie aber etwas gerochen haben. Wir nehmen das als gutes Anzeichen. Heute morgen haben drei Artikel in den Westfälischen Nachrichten mein besonderes Interesse geweckt. Ulrike Posches Beitrag über den wunderbaren Wissenschaftler Christian Drosten. Dieser Mann tut mit seiner Klarheit einfach nur gut. Dann das Interview von Stefan Werding mit Professor Paul Cullen sowie das Interview von Dirk Anger mit Christine Zeller. Danke für die gute Arbeit, Kollegen!


03/27


03/27

Guten Morgen, Münster. Guten Morgen, Münsterland. Ich melde mich später, weil ich total verschlafen habe. Bevor ich ein paar Zeilen schreibe, brauche ich den ein oder anderen Kaffee. Kurzer Lagebericht: 👌


03/26

Ein unaufgeregter Tag mit Büchern und Gesellschaftsspielen neigt sich dem Ende. Und dann doch noch ein Highlight: Beim Abendessen meinte meine Frau auf einmal,dass sie etwas geschmeckt habe. Nicht viel, aber immerhin. Die Freude war jedenfalls groß. Es wäre schön, wenn das langsam besser würde. Angeblich habe ich heute Abend Tortellini mit Spinat gegessen. Es kann aber auch Wiener Schnitzel mit Pommes gewesen sein - nur das Bild auf meinem Teller passte nicht dazu. Jetzt wollen wir uns noch gemeinsam einen Film anschauen. Mal sehen, auf was wir uns jetzt einigen. Die Geschmäcker sind bei uns ziemlich verschieden. Ich sag schon immer „einen Western“ und ernte dafür regelmäßig genervte Blicke. Hach, Spaß muss sein. Gute Nacht allerseits. Und bleibt gesund.


03/26

Den aufmerksamen Lesern dürfte aufgefallen sein, dass ich mich heute Morgen verrechnet habe. Es sind natürlich noch vier Tage, bis meine Quarantäne vermutlich enden wird. Ich war heute Morgen allerdings der festen Überzeugung, dass heute schon Freitag wäre. Quarantäne macht nicht unbedingt schlauer, sorry! Ohnehin: Mir ist natürlich auch aufgefallen, dass meine Texte nicht fehlerfrei sind. Ich bitte das zu entschuldigen. Ich schreibe auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Außerdem bin ich ja etwas krank und daher nicht bei 100 Prozent meiner Leistungsfähigkeit. Ist das okay für euch? Ich werte das Schweigen jetzt mal als Zustimmung. Eben habe ich einige lange Telefonate geführt. Ein Gesprächspartner war meine ehemalige Nachbarin. Sie hat sich unglaublich gefreut, und wir quasselten fast eine Stunde ohne Punkt und Komma. Am Ende des Gesprächs lud sie meine Frau und mich ein. „Im Januar werde ich 90. Ihr kommt doch?“ ... aber hundertprozentig. Wenn ich in dem Alter noch so fit im Kopf sein sollte, dann kann ich mich glücklich schätzen. Und sonst? Der Tagesablauf ist inzwischen eine Kopie des Vortages. Aufstehen, Zeitung lesen, im Internet surfen, Blog schreiben, leichtes Frühstück, Gymnastik, duschen und dann ab in die Sonne auf meine Liege. Zwischendurch habe ich auch zwei Wäschen gemacht und eine Einkaufsliste für einen Freund erstellt. Gut, jetzt werde ich etwas lesen. Bis später 👋


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