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Stefan Kaiser
Wirtschaftsressort
Stefan Kaiser

Hintergrund: Ausverkauf am Markt für US-Staatsanleihen

Um zu verstehen, wie groß die Verwerfungen sind, die Donald Trump an den Finanzmärkten verursacht, sollte man nicht nur auf die Aktienkurse schauen, sondern auch auf den größten Markt der Welt: den für amerikanische Staatsanleihen. Dort werden Schuldpapiere der USA gehandelt. Die Investoren kaufen die Anleihen und bekommen dafür Zinsen. 

Nun spielt sich auf diesem Markt ein ungewöhnliches Drama ab: Investoren stoßen massenhaft US-Staatsanleihen ab, die Kurse fallen – und spiegelbildlich schießen die Renditen in die Höhe. Am Mittwochmorgen stiegen die Renditen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zeitweise auf mehr als 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Am Freitag hatten sie noch unter 4 Prozent gelegen. Bei Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit war der Anstieg noch stärker: Dort ging es innerhalb von drei Tagen sogar um rund 0,6 Prozentpunkte nach oben, so stark wie seit 1981 nicht mehr. 

Ein solcher Anstieg innerhalb so kurzer Zeit ist sehr ungewöhnlich – erst recht, wenn parallel auch die Aktienkurse abstürzen. Normalerweise schichten Investoren ihr Geld in Staatsanleihen um, wenn es am Aktienmarkt unruhig wird. Vor allem die Schuldpapiere der USA gelten als sicherer Hafen. Doch dieses Image scheint gerade zu bröckeln.
New Yorker Börse
New Yorker Börse. Foto: Angela Weiss / AFP
Dafür kann es mehrere Gründe geben. So wird zum Beispiel spekuliert, dass China einen Teil seiner US-Staatsanleihen verkaufen könnte – als Gegenreaktion auf Trumps Strafzölle. Deutlich wahrscheinlicher ist aber eine andere Erklärung: Hedgefonds verkaufen derzeit verstärkt US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten. Sie hatten mit geliehenem Geld auf minimale Preisunterschiede zwischen Anleihen und den dazugehörigen Terminkontrakten spekuliert – ein beliebter, aber riskanter Strategieansatz, der »Basis-Trade« genannt wird. Als Reaktion auf die starken Kursschwankungen verlangen Kreditgeber nun zusätzliche Sicherheiten – sogenannte Nachschussforderungen. Wenn die Hedgefonds diese Sicherheiten nicht schnell genug bereitstellen können, sind sie gezwungen zu verkaufen, um rasch an frisches Geld zu kommen.

Für die amerikanische Regierung sind die steigenden Renditen eine schlechte Nachricht. Die USA sind ohnehin stark verschuldet, die Steuersenkungspläne von Donald Trump dürften den Schuldenberg noch vergrößern. Wenn nun die Zinsen steigen, wird die Belastung noch größer. An den Finanzmärkten wird bereits spekuliert, dass die amerikanische Notenbank Fed einspringen und US-Staatsanleihen aufkaufen könnte, um die Lage zu beruhigen. 
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Updated at: 04/16/2025 12:27 PM