Die jüngsten Modellrechnungen haben fast alle Zweifel über die Folgen der sich ungewöhnlich schnell ausbreitenden Kelvin-Welle im Zentralpazifik zerstreut. Der mittlere Temperaturanstieg in diesem Bereich (Niño3.4) gilt als entscheidender Indikator für die El-Niño-Ausprägung. Das Warmwasserphänomen El Niño ist nicht ungewöhnlich, alle paar Jahre macht es sich wettertechnisch, oft auch im Wechsel mit der entgegengesetzten Kälteanomalie - La Niña - spätestens zur Weihnachtszeit bemerkbar. Beide Phänomene, die Wettersysteme werden unter dem meteorologischen Begriff ENSO ( El Niño Southern Oscillation) zusammengefasst. Super El Niños werden inzwischen alle zehn Jahre erwartet. Der jüngste Super El Niño trat 2016/17 auf, davor sorgte der El Niño 1997/98 für globale Rekordtemperaturen und extreme Dürren, ebenso wie für folgenschwere Überflutungen. Die globale Erwärmung hat bereits für eine generelle Beschleunigung der ENSO-Zyklen gesorgt. Außerdem gibt es Hinweise, dass extrem starke El Niños die Wettermuster nachhaltig verändern können.
Ob der Klimawandel den aufziehenden Super El Niño 2026/27 verstärkt, ist noch nicht geklärt. Die ersten Messwerte, die auf eine neue Wärmeanomalie hindeuteten, wurden im Januar diesen Jahres gemessen. Im April hat auch der Deutsche Wetterdienst "einen ungewöhnlich starken El Niño" prognostiziert (
Wtter und Klima - Deutscher Wetterdienst - Thema des Tages - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres)
Nach Auswertung der jüngsten Daten und Ensemble-Modellierungen scheint es fast unausweichlich, dass sich die Anomalie zu einem der
stärksten El Niños seit mindestens 155 Jahren entwickelt. Bereits im Sommer dürfte in der Nino3.4-Region die Schwelle von +2,0 Grad hin zu einem Super El Niño überschritten werden. In einigen Modellläufen wurden Anomaliespitzen von deutlich
über 3 Grad, in Einzelfällen von mehr als 4 Grad erreicht. Die Temperaturanstiege in diesem Jahr übertreffen jedenfalls, was die Geschwindigkeit der Entststehung angeht, die schon extrem starken El Niños der Jahre 2015 und 1997. Als starker Hinweis für eine ungewöhnliche Intensivierung lassen sich auch die bisherigen Modellergebnisse deuten. Bis jetzt jedenfalls musste jede der bisher veröffentlichten Prognosen für dieses Jahr nach oben korrigiert werden.