Geschäftsführer von Deradikalisierungsprogramm: »Nicht das geringste Anzeichen einer konkreten Bedrohungssituation«
Der Anschlagsverdächtige Abdul B., 21, sollte nach seiner Haftentlassung im Mai nach SPIEGEL-Informationen womöglich in ein Deradikalisierungsprogramm aufgenommen werden. Das bestätigte Thomas Mücke, Mitgründer und Geschäftsführer des »Violence Prevention Networks« (VPN) in Berlin, dem SPIEGEL. Die Organisation versucht seit vielen Jahren, straffällig gewordene Islamisten von der Gewalt abzubringen.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen war Abdul B. im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten zur »Vorbewährung« verurteilt worden, einer Besonderheit des Jugendstrafrechts. Als Auflage musste er sich auf eine Betreuung durch das »Violence Prevention Network« einlassen.
Laut Mücke befand sich Abdul B. noch in einer sogenannten »Clearing-Phase«. Es hätten zwei Gespräche stattgefunden, am 15. Juni und am 8. Juli. Dabei habe Abdul B. sich »freundlich, nichtssagend, angepasst « verhalten. Seinen Mitarbeitern seien Zweifel gekommen, ob es Sinn mache, ihn in das Deradikalisierungsprogramm aufzunehmen, so Mücke. Es brauche »eine gewisse Problemeinsicht«, sagte Mücke dem SPIEGEL, »sonst kommt man nicht an diese Personen ran.«