Krieg in der Ukraine

Bericht: Ratcliffe drängte Moskau zu schneller Ukraine-Einigung 

In westlichen Medien kursieren unterschiedliche Theorien dazu, warum John Ratcliffe, der Direktor des amerikanischen Geheimdiensts CIA, am Dienstag voriger Woche in Moskau war. Nun hat das exilrussische Portal „Agenstwo“ eine Version veröffentlicht, die der Darstellung der „New York Times“ aus der vergangenen Woche ähnelt. 

Unter Berufung auf eine kremlnahe Quelle hieß es, Ratcliffe sei mit der Aufforderung an die russische Führung nach Moskau gereist, so schnell wie möglich eine Einigung über die Beendigung des Ukrainekrieges zu erzielen. Der CIA-Direktor sei dabei davon ausgegangen, dass sich die militärische und wirtschaftliche Lage Russlands verschlechtere und dass es für Moskau vorteilhafter sei, jetzt ein Abkommen zu schließen, als auf eine weitere Schwächung zu warten. 

Weiter hieß es, der russische Herrscher Wladimir Putin sei ursprünglich bereit gewesen, sich mit Ratcliffe zu treffen, und habe seinen Terminkalender für mögliche Gespräche freigehalten. Nachdem Putin jedoch der Inhalt der von dem Amerikaner überbrachten Botschaft bekannt geworden sei, habe man das Treffen für nicht sinnvoll gehalten. Ratcliffes Botschaft habe so geklungen, als stünde der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj „bereits auf dem Poklonnaja-Hügel (im Park des Sieges westlich des Moskauer Zentrums, d.Red.) und würde den Kreml durch ein Fernglas betrachten“, wurde die Quelle zitiert. „Jedem ist klar, dass das nicht stimmt.“ 
Zuvor war bekannt worden, dass Ratcliffe in Moskau den Leiter des russischen Auslandsnachrichtendiensts SWR, Sergej Naryschkin, sowie den Leiter des Inlandsgeheimdiensts FSB, Alexandr Bortnikow, traf. „Agentswo“ berichtete nun, nach einem dieser Treffen sei der Inhalt des Gesprächs an Putin weitergeleitet worden. Daraufhin habe der Kreml ein persönliches Treffen des Herrschers mit dem CIA-Direktor abgelehnt. 

Die „New York Times“ hatte zuvor berichtet, dass Ratcliffe Bortnikow eine „düstere Einschätzung“ der Lage Russlands im Krieg übermittelt habe. Der Kreml hatte mitgeteilt, dass Ratcliffe sich nicht mit Putin getroffen habe, der Präsident jedoch umgehend über die Ergebnisse der Kontakte des CIA-Direktors mit den russischen Geheimdiensten informiert worden sei. 

Das amerikanische Portal Axios berichtete, Ratcliffe habe die Idee eines trilateralen Gipfeltreffens zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Putin und Selenskyj aufgebracht. Der Kreml teilte dazu mit, ein solches Treffen sei nur möglich, um „Vereinbarungen zu fixieren“ – im Moskauer Sprachgebrauch ist damit ein für Putin vorteilhaftes Abkommen gemeint, das Kiew entscheidend schwächt. 

Die amerikanischen Medien „Wall Street Journal“ und „Politico“ hatten von einem anderen Inhalt der Moskau-Reise, der ersten eines CIA-Chefs nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine von 2022, berichtet: Ratcliffe habe Moskau gewarnt, dass ein möglicher Angriff auf NATO-Staaten, vor allem auf die baltischen Staaten, nicht hinnehmbar sei. Trump selbst bestritt diese Version sowie eine weitere, wonach es um Iran ging, und bezeichnete Ratcliffes Reise als „teilweise routinemäßig“. 
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Updated at: Yesterday 10:30 PM