Kanzleiumsätze durchbrechen Schwelle von elf Milliarden Euro
Der Kanzleimarkt in Deutschland ist im Geschäftsjahr 2025 abermals eindrucksvoll gewachsen. Die 100 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien erwirtschafteten gemeinsam einen Umsatz von mehr als elf Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 5,4 Prozent. Ein respektables Ergebnis in einem Jahr voller Umbrüche, wie der Kölner Branchendienst Juve schreibt, der die finanziellen Kennzahlen des Mixes aus internationalen Großkanzleien, deutschen Sozietäten und spezialisierten Kanzleiboutiquen recherchiert hat.
In der am Mittwoch veröffentlichten Analyse fallen zwei Werte besonders auf. Zum einen gelang es den Kanzleien im breiten Marktdurchschnitt, ihre Produktivität nochmals deutlich zu steigern. So erwirtschaftete jeder Anwalt in den Top-100-Kanzleien im Schnitt 712.000 Euro (+6,7 Prozent). Für den deutschen Kanzleimarkt ist das ebenfalls eine neue Bestmarke. Im Gegensatz zu früheren Geschäftsjahren war dieses Wachstum jedoch nicht auf weitere Einstellungen von Anwälten zurückzuführen. Die Zahl der Partner und angestellten Anwälte stagnierte und lag laut Juve bei gut 16.700 Vollzeitstellen. In der Untersuchung heißt es: „Das Marktwachstum entkoppelt sich vom Personaleinsatz.“
In der Gruppe der zehn umsatzstärksten Einheiten liegt Freshfields mit 597 Millionen Euro weiterhin an der Spitze, gefolgt von CMS Hasche Sigle mit 445 Millionen Euro und Hengeler Mueller mit 409 Millionen Euro. Den größten Sprung mit einem Wachstum von 10,8 Prozent machte die US-Kanzlei Latham & Watkins mit 279 Millionen Euro. Vergleichbare Zuwächse erzielten die deutsche Großkanzlei Gleiss Lutz mit 10,4 Prozent auf 319 Millionen Euro und die amerikanische Sozietät White & Case mit 9,7 Prozent auf 271 Millionen Euro.
Auffällig ist das Wachstum der US-Kanzleien, die häufig höhere Stundenhonorare als ihre deutsche Konkurrenz durchsetzen können und als Berater bei großvolumigen Private-Equity-Deals gesetzt sind: Kirkland & Ellis, die global umsatzstärkste Kanzlei, konnte ihren Umsatz in Deutschland innerhalb eines Jahres um mehr als 55 Prozent auf 123 Millionen Euro steigern. Dies spiegelt sich auch im Umsatz je Berufsträger wider: Lediglich in 18 Kanzleien erwirtschaftet jeder Anwalt einen jährlichen Umsatz von einer Million Euro oder mehr. Bis auf Hengeler Mueller und der britischen Topkanzlei Linklaters gelingt dieses Kunststück nur Anwälten aus US-Wirtschaftskanzleien.