Russland befindet sich in einem „hybriden Krieg gegen die NATO“ und wird weitere hybride Angriffe gegen das Militärbündnis durchführen, um dieses zu schwächen. Zu dieser Einschätzung kommt der dänische Auslandsnachrichtendienst FE in seiner jüngsten Risikoeinschätzung („Ausblick“ 2025), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach wird das Verhalten Russlands im Ostseeraum zunehmend provokativ. Mit Aktionen wie den Angriffsdrohnen im polnischen Luftraum im Herbst dieses Jahres versuche Moskau, die Bereitschaft der NATO zu testen. Der Nachrichtendienst erwartet, dass Russland stärkere Provokationen durchführen könnte, um zu testen, ob die USA Europa tatsächlich zu Hilfe kommen.
„Russland bereitet sich auf einen Krieg gegen die NATO vor“, heißt es in dem Papier. Würde der russische Angriffskrieg in der Ukraine nun beendet oder eingefroren, wäre Russland aufgrund der weiterhin massiven Aufrüstung aus Sicht des Nachrichtendienstes bereits 2027 bereit für einen lokalen Krieg, ein Jahr später für einen regionalen Krieg und 2031 für einen großangelegten Krieg.
Demnach ist die Ostseeregion das Gebiet, in dem das Risiko am größten ist, dass Russland militärische Gewalt gegen die NATO anwendet. Die Ostsee ist der Analyse zufolge von entscheidender Bedeutung für Russland. Schon heute führe das Verhalten Russlands zu zunehmenden Spannungen im Ostseeraum, warnt der dänische Nachrichtendienst. Russland sei bereit, militärische Schiffe und Flugzeuge aggressiv gegen die NATO-Staaten in der Region einzusetzen, um sie davon abzuhalten, Maßnahmen zu ergreifen, die den Interessen Russlands zuwiderlaufen. So habe es 2025 den Luftraum von NATO-Staaten mit Kampf- und Überwachungsflugzeugen weitaus häufiger verletzt als noch im Jahr 2024. Russische Kriegsschiffe verhielten sich gegenüber Schiffen von NATO-Staaten ebenfalls aggressiver. Russland hat demnach in mehreren Fällen Waffensysteme auf seinen Kriegsschiffen bemannt, wenn sich dänische Militärschiffe und -flugzeuge in der Nähe befanden. Das sei auch innerhalb der territorialen Grenzen Dänemarks geschehen. Weiterhin störe Russland GPS-Signale und nutze Kampfflugzeuge und Patrouillenboote um die Schiffe der sogenannten Schattenflotte zu schützen.
Nach Einschätzung des Nachrichtendienstes ist es wahrscheinlich, dass auch ein Nachfolger Wladimir Putins den „Konfrontationskurs gegenüber dem Westen“ fortsetzen wird. Schließlich würden derzeit neue Generationen mit der Idee des „ewigen Konflikts Russlands mit dem Westen“ indoktriniert, unter anderem mittels einer zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft, in der Militärunterricht auf allen Ebenen des Bildungssystems und an größeren staatlichen Arbeitsplätzen obligatorisch sei. „Diese Indoktrinierung wird langfristige negative Folgen für Russlands Beziehungen zum Westen haben, die über Putins Lebenszeit hinausreichen“, so der Nachrichtendienst.