Venezuela 3. Januar

Julia Amalia Heyer
US-Korrespondentin, Washington, D.C.
Julia Amalia Heyer

Trumps Doktrin: Er macht, was er will 

So sieht es jetzt also aus: Die US-Regierung tut, mehr oder minder, was sie angekündigt hat. Und sie tut, das sowieso, was sie möchte. Sie verfolgt ihre Interessen – und zwar rücksichtslos. Die Souveränität anderer Staaten, das Völkerrecht oder sonstige Gepflogenheiten internationaler Ordnung spielen dabei für sie keine Rolle.

Ins Bild passt da die Nationale Sicherheitsstrategie, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde: Die USA kümmern sich verstärkt um ihre direkte Nachbarschaft. Der Fokus liegt auf Lateinamerika. Die »westliche Hemisphäre« wird das genannt. Es bedeutet eine Art Wiederauflage der Monroe-Doktrin von 1823. Kurz zusammengefasst postulierte sie die Teilung der Welt in unterschiedliche Einflusssphären, etwa »Amerika den Amerikanern«, verbunden mit dem Rückzug aus europäischen Angelegenheiten. 

Mit seinem Angriff auf Venezuela schreibt Donald Trump jetzt die Monroe-Doktrin mit einem eigenen Zusatz weiter, dem sogenannten Trump-Corollary. Sinngemäß lautet diese Schlussfolgerung: Ich darf machen, was ich will, und ich mache, was ich für gutheiße.
Das ist auch die Botschaft, die mit dieser Mini-Invasion einhergeht: Es gibt für diese US-Regierung keine Grenzen. Souveräne Staaten sind nur so lange souverän, wie sie Donald J. Trump und den Seinen nicht im Weg stehen – aus welchen Gründen auch immer. Warum einen missliebigen Diktator nicht einfach bei Nacht und Nebel entführen und ihn in New York vor Gericht stellen? 

Außenminister Marco Rubio, der der Architekt dieser Maduro-Entführung sein dürfte, hat es in der Pressekonferenz gesagt: Es gibt hier nur einen strong man, und der heißt Trump. Mit ihm macht man keine Spielchen. Seine Angebote, er selbst nennt sie Deals, muss man annehmen. Sonst wird man am Ende schlicht dazu gezwungen. So scheint es jetzt Maduro ergangen zu sein. 

Spannend – und unklar – ist die Frage, wie es weitergeht nach diesem Trumpschen Regimechange. Wer übernimmt in Caracas? Welches Land, welcher Regent, zieht die Unbill Trumps als Nächstes auf sich? Auch diese Unklarheit, um nicht zu sagen: das Chaos, passt ins Bild – mit Detailfragen wie einer Exitstrategie befasst sich die Trump-Regierung nicht ganz so gern wie mit telegenen Großmachtsaktionen. Siehe Gazakrieg oder die mannigfaltigen Ultimaten an Putins Adresse.

Interessant ist auch die Frage, wie die Amerikaner darauf reagieren? Sehen sie das wie ihr Präsident, der sie davon überzeugen will, dass so eine Attacke unabdingbar sei für seine America-First-Strategie? Oder sehen sie das anders und sind, wie schon öfter in den vergangenen Monaten, latent genervt von einem außenpolitischen Überperformer namens Trump? 
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Updated at: Sunday 08:43 PM