Das ist auch die Botschaft, die mit dieser Mini-Invasion einhergeht: Es gibt für diese US-Regierung keine Grenzen. Souveräne Staaten sind nur so lange souverän, wie sie Donald J. Trump und den Seinen nicht im Weg stehen – aus welchen Gründen auch immer. Warum einen missliebigen Diktator nicht einfach bei Nacht und Nebel entführen und ihn in New York vor Gericht stellen?
Außenminister Marco Rubio, der der Architekt dieser Maduro-Entführung sein dürfte, hat es in der Pressekonferenz gesagt: Es gibt hier nur einen strong man, und der heißt Trump. Mit ihm macht man keine Spielchen. Seine Angebote, er selbst nennt sie Deals, muss man annehmen. Sonst wird man am Ende schlicht dazu gezwungen. So scheint es jetzt Maduro ergangen zu sein.
Spannend – und unklar – ist die Frage, wie es weitergeht nach diesem Trumpschen Regimechange. Wer übernimmt in Caracas? Welches Land, welcher Regent, zieht die Unbill Trumps als Nächstes auf sich? Auch diese Unklarheit, um nicht zu sagen: das Chaos, passt ins Bild – mit Detailfragen wie einer Exitstrategie befasst sich die Trump-Regierung nicht ganz so gern wie mit telegenen Großmachtsaktionen. Siehe Gazakrieg oder die mannigfaltigen Ultimaten an Putins Adresse.
Interessant ist auch die Frage, wie die Amerikaner darauf reagieren? Sehen sie das wie ihr Präsident, der sie davon überzeugen will, dass so eine Attacke unabdingbar sei für seine America-First-Strategie? Oder sehen sie das anders und sind, wie schon öfter in den vergangenen Monaten, latent genervt von einem außenpolitischen Überperformer namens Trump?