SPIEGEL: Gibt es konkrete Grenzwerte?
Sattar: Ja, für jede Region gibt es sogenannte Schneelastzonen, die festlegen, wie viel Gewicht ein Dach tragen muss. In Zone 2, zum Beispiel in Hamburg, liegt der Bemessungswert bei etwa 0,85 Kilonewton pro Quadratmeter – das sind rund 85 Kilogramm pro Quadratmeter. Entscheidend ist, welche Schneehöhe bei der jeweiligen Schneeart diesen Grenzwert erreicht. Zum Vergleich: Eine rund neun Zentimeter dicke Eisschicht bringt bereits etwa 85 Kilogramm pro Quadratmeter auf die Waage und ist damit schwerer als eine 150 Zentimeter hohe Schicht aus trockenem Pulverschnee mit rund 80 Kilogramm pro Quadratmeter. Allerdings kann auch dieser Schnee durch Setzung oder Feuchtigkeit rasch deutlich an Gewicht zunehmen.
SPIEGEL: Wer bestimmt diese Werte?
Sattar: Die Grenzwerte stehen im Eurocode 1, einer europäischen Norm für Bauwerke. Die Zonen richten sich nach den geografischen und klimatischen Bedingungen. Kurz gesagt: Je kälter, höher und schneereicher eine Region ist, desto höher ist die Schneelastzone. Hamburg ist daher in einer anderen Schneelastzone als München.
SPIEGEL: Sind starke Schneefälle wie jetzt bei Sturmtief »Elli« eingepreist?
Sattar: Die Normen berücksichtigen statistisch zu erwartende Maximalwerte. Extreme Ausnahmen können darüber hinausgehen. Dann werden Vorsichtsmaßnahmen wie Hallenschließungen nötig – das passiert gerade.